Hanfpalmen in Bayern: ein Erfahrungsbericht nach 5 Jahren Mein Exotengarten in München

So schön die Sommer in Bayern sind, so zapfig kanns hier im Winter werden. Für Palmen ganz sicher das falsche Klima. Oder doch nicht? Ein Erfahrungsbericht nach 5 Jahren…

zur Gallerie

Full screenExit full screen
Slider
Kauf + Auspflanzung

Idealerweise kauft man insbesondere in den frostigen Gegenden Deutschlands eine kräftige, gut-durchwurzelte Hanfpalme mit etwa 50cm Stammhöhe. So hat man gute Chancen, vorallem den kritischen 1. Winter gut zu überstehen. Und mit 50cm Stamm ist die Palme noch flexibel genug, um sich an die rauen Unweltbedingungen ein stückweit anzupassen.

Preise (+ Qualität) von Hanfpalmen variieren stark. Tendentiell sinken die Preise die letzten Jahre. Für eine kräftige Hanfpalme sollte man etwa 1.5-2€ pro cm Stammhöhe veranschlagen.

Im Unterhalt (Dünger, Wasser, Strom, Winterschutz-Material, …) sollte man in den rauen Gegenden Deutschlands je Hanfpalme etwa 100-150€ pro Jahr kalkulieren (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Anschaffungs- + Unterhaltskosten). In milden Gegenden, wo man Hanfpalmen nur passiv schützen muss, liegen die Unterhaltskosten erheblich niedriger – vermutlich unter 20€ pro Jahr.

Hanfpalmen lieben Wasser. Ich habe meine Hanfpalmen daher alle direkt in unseren recht lehmigen Erdboden gepflanzt (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Kauf + Auspflanzung), ohne Spezialerde, Drainage o.ä.. Den Hanfpalmen geht es bestens. Auch Staunässe ist nach meinen Erfahrungen kein Thema.

Da Hanfpalmen immergrün sind, benötigen sie auch im Winter Wasser. In Bayern hat es immer mal wieder längere Dauerfrostphasen. Es droht Frosttrocknis! Die Auspflanzung sollte daher im zeitigen Frühjahr (April / Mai) erfolgen, so dass die Hanfpalme noch genug Zeit hat, gut + tief zu verwurzeln.

Pflege

Die ersten Jahre hab ich es wirklich gut gemeint mit meinen Hanfpalmen: mehrfach wurde das Wurzelwachstum mit Auxin angeregt, alle 2 Wochen gab es teuren Flüssigdünger und während längerer Hitzephasen wurde jede Palme morgens und abends jeweils mit 10l Wasser gewässert (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Pflege / Checkliste).

Inzwischen hat hier ein Umdenken bei mir stattgefunden. Einerseits sind meine Hanfpalmen so schnell gewachsen, dass ich mir inzwischen Sorgen mache, wie ich diese die nächsten Jahre im Winter überhaupt noch schützen kann (vgl.: Entschleunigtes Exotengärtnern). Andererseits mache ich mir vermehrt Gedanken um die Umwelt (vgl.: Ökologischer Fussabdruck eines Exotengärtners) und möchte daher bewusster nachhaltig gärtnern (vgl.: Nachhaltiges Exotengärtnern).

Konkret bedeutet das: ich habe auf organischen Dünger umgestellt, den ich nur noch 1-2x pro Saison verabreiche. Darüber hinaus habe ich meine Bewässerung reduziert. Das gesammelte Wasser aus der Regentonne reicht leider trotzdem noch nicht ganz.

Winterschutz

Da die Winter in Bayern sehr frostig werden können (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Gefahren im Winter), habe ich meine Hanfpalmen immer aktiv (mit einem temperaturgesteuerten Heizkabel) geschützt (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Winterschutz-Aufbau, Chinesische Hanfpalme: Winterschutz-Programm). Seit 2017 teste ich bei einer kleinen Wagnerpalme (bislang erfolgreich) die Überwinterung auch ohne Heizquelle.

Der härteste Winter war bislang der Winter 2016/17 mit einer Tiefsttemperatur von -17°, mit 70 Frosttagen, 30 Dauerfrosttagen, 10 Strengfrosttagen und einer etwa 10-tägigen Dauerfrostphase + nächtlich fast durchgängig mit Strengfrost zwischen -13.0°C und -15.0°C. Der kälteste Januar seit 30 Jahren (vgl.: Chronologische Klimadaten)! Bei einem Nachbarn hat das zu herben Verlusten geführt (vgl.: Der desillusionierte Palmenliebhaber).

Die Hanfpalmen haben die Winter in Summe sehr gut überstanden. Insbesondere nach dem Winter 2016/17 hatten die Blätter z.T. mittlere Frostschäden, von denen sie sich allerdings schnell wieder erholt haben.

Die ersten 2 Jahre nach Auspflanzung bekamen die Hanfpalmen gelbstichge Blätter. Diese Chlorose tritt nun mit stärkerer Verwurzelung nicht mehr oder nur noch schwach auf.

Darüber hinaus haben in einer Saison einzelne Wedel bei einer meiner Hanfpalmen aufgrund von Schneelasten ihre Spannkraft verloren.

Die viel-beschworene winterliche Nässegefahr (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Nässeempfindlichkeit) konnte ich dagegen bei meinen Hanfpalmen nicht verifizieren.

Immer wieder wird auch vor dem winterlichen Einpacken mit Luftpolsterfolie gewarnt. Obwohl ich meine Hanfpalmen seit Jahren so schütze, hatte ich noch nie Pilz- oder Schimmel-Befall. Im Gegenteil: ich habe das Gefühl, dass (insbesondere großporige) Luftpolsterfolie extrem gut gegen Kälte isoliert.

Wachstum

Zufall oder nicht: die teuerste Hanfpalme (meine Standort-Älteste) wächst mit Abstand am Besten und Kräftigsten. In 5 Jahren ist ihr Stamm von knapp 50cm auf etwa 1.6m in die Höhe gewachsen, im Schnitt also 22cm pro Saison. Der Stammumfang ist in der Zeit von 50 auf 83cm angewachsen.

Und die günstigste Hanfpalme wächst am langsamsten. Ihr Stamm ist in 4 Jahren von knapp 1.38m auf etwa 1.70m gewachsen, im Schnitt also nur 8cm pro Saison.

Auf der anderen Seite hat meine standortälteste Hanfpalme noch nie geblüht, die 2 anderen (beides Männchen) aber seit 2016 bzw. 2017 regelmäßig. Früchte hat es (aufgrund fehlender fortpflanzungsfähiger Weibchen) bislang leider noch nicht gegeben.

Wachstum + Blütenbildung meiner Hanfpalmen (vgl.: Chronologisches Wachstum meiner Hanfpalmen) sind allerdings auffällig unterschiedlich, was mich bereits zu einigen Artikeln veranlasst hat: Hanfpalme ausser Rand + Band, Hanfpalme ausser Rand + Band (Fortsetzung) + Chinesische Hanfpalme: umweltbedingte Variationen.

Mangelerscheinungen + Krankheiten

Wo einheimische Pflanzen gerne mal kränkeln oder von Schädlingen befallen werden, sind meine Hanfpalmen (bis auf Frostschäden) bis dato sehr robust + völlig problemfrei (vgl.: Chinesische Hanfpalme: Mangelerscheinungen + Krankheiten).

Fazit

Dauerhaft ausgepflanzte Hanfpalmen sind in Bayern eine echte Herausforderung und gerade deswegen genau hier extrem exotisch. Das bekommt man immer wieder zu ’spüren‘: mehrfach bin ich am Gartenzaun schon auf meine Palmen angesprochen worden, wann ich sie denn vor dem Winter endlich ausbuddele + reinhole…

Können Hanfpalmen in den rauen Gegenden Deutschlands dauerhaft ausgepflanzt überleben? Ja! Ist das empfehlenswert? Ja! Warum? Weil Palmen im eigenen Garten glücklich machen. Versprochen!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Exotengärtner @ Facebook

HIER gehts zur FB-Gruppe:

Für Schnell-Leser

HIER gehts zu den TOP-Beiträgen - kurz + knapp auf den Punkt gebracht.

Aktuelle Umfrage

Der Exotengärtner ist ...

Aktuelle Fotos

19-05-08 19-05-07 19-05-06 19-05-05

Aktuelle Beiträge

Chinesische Hanfpalme: Winterschäden
Warzenkaktus: Steckbrief
Warzenkaktus
Hanfpalmen in Bayern: ein Erfahrungsbericht nach 5 Jahren
Hanfpalme ausser Rand + Band (Fortsetzung)
Slider

Aktuelle Foren-Beiträge

Hanfpalme
Gelbe Trachycarpus
Top