Pflegeleichtes Exotengärtnern Freilandexoten in den rauen Gegenden Deutschlands

Als Exotengärtner erntet man immer mal wieder Bewunderung für einen außergewöhnlichen Garten. Für die breite Masse scheiden derartige Gärten trotzdem aus: viel zu pflegeintensiv + kostspielig. Meinen zumindest viele. Wie man mit geschickter Pflanzenauswahl auch in den rauen Gegenden Deutschlands einen pflegeleichten + ökologisch vertretbaren Exotengarten gestalten kann…

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Natürlich können Exotengärten richtig ins Geld gehen: manche Exoten (wie z.B. Bananen, Farne oder bestimmte Palmen) benötigen im Sommer weitaus mehr Wasser, als unsere Sommer bereitstellen. Und die allermeisten Exoten kommen nicht mit unseren kalten, feuchten Wintern zurecht. Sie müssen daher dick eingepackt und ggf. sogar beheizt werden. Das kann sehr teuer werden!

Die Lösung für einen pflegeleichten Exotengarten liegt auf der Hand: man muss für seinen Garten Exoten finden, die mit den klimatischen Gegebenheiten bei uns im Sommer wie im Winter gut zurecht kommen. Derartige Exoten gibt es – wie man sich denken kann – nicht viele, aber es gibt sie.

Nachfolgend eine Auflistung exotischer Pflanzen, die man selbst in den rauen Gegenden Deutschlands guten Gewissens auspflanzen kann, die im Sommer nicht mehr Wasser benötigen als Einheimische und die ganz ohne oder mit sehr einfachem Passivschutz unsere Winter überstehen können.

Palmlilien

Insbesondere stammbildende Yuccas verleihen jedem Garten ein extrem exotisches, palmenähnliches Tropen-Flair.

Im Sommer benötigen diese weitaus weniger Wasser als viele einheimische Pflanzen, sind also quasi pflegefrei.

Unter den stammbildenden Yuccas eignen sich vorallem die Kerzen-Palmlilie (Yucca gloriosa / recurvifolia) und die blaublättrige Palmlilie (Yucca rostrata), da diese auch in den rauen Gegenden Deutschlands ausreichend frosthart sind und ohne Frostschutz auskommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Yuccas sind sie im Winter auch relativ feuchtigkeitstolerant. Ein einfaches Regendach ist trotzdem empfehlenswert.

Kakteen

Für die meisten wahrscheinlich unvorstellbar: dauerhaft im Garten ausgepflanzte Kakteen. Das geht doch bei uns nicht!

Doch, das geht! Und einige wenige Sorten überstehen das sogar gänzlich ohne Schutz.

Ich habe bei uns in Oberbayern sehr gute Erfahrungen mit Feigenkakteen, insbesondere dem schwarzbraundornigen Feigenkaktus (Opuntia phaeacantha), und Igelkakteen, hier insbesondere mit dem Echinocereus reichenbachii ssp. baileyi albispinus, gemacht. Sicher gibt es weitere Sorten, die gut winterhart sind.

Übrigens: beide Kakteen sitzen bei mir in einem nicht-überdachten Beet in normaler Gartenerde. Es erfordert also nicht mal einen geschützten Standort oder ein spezielles Substrat.

Obstpflanzen

Es gibt eine ganze Reihe exotischer Obstpflanzen, die etwa bis -15°C frosthart sind. Leider sind sie damit – zumindest in den rauen Gegenden Deutschlands – nicht verlässlich winterhart.

Definitiv winterhart ist aber die Indianerbanane (Asimina triloba). Mit der ‚Sunflower‘ und der ‚Prima 1216‘ gibt es sogar 2 selbstfruchtende Sorten, die entsprechend keinen weiteren Befruchtungspartner benötigen. Auch das Ausreifen der sensationell schmeckenden Früchte funktioniert bei uns, zumindest in sonnenreichen Saisons.

Ebenfalls verlässlich winterhart sind die Bitterzitrone (Poncirus Trifoliata) und die chinesische Dattel (Ziziphus jujuba), auch wenn letzterer oft geringere Frosthärte attestiert wird.

Kakibäume (Diospyros kaki) sind leider nur bis etwa -15°C frosthart. Die Sorte ‚Nikita’s Gift‘ ist allerdings etwas frosthärter und hat die frostigen bayrischen Winter bei uns bis dato ohne Winterschutz gut überstanden. Ob die Früchte bei uns ausreifen können, kann ich leider noch nicht beurteilen.

Neben den genannten Obstpflanzen gibt es eine ganze Reihe weiterer Obstpflanzen, die als winterhart gelten, z.B. Maulbeere (Morus), Bayern-Feige (Ficus carica) ‚Violetta‘, Nashi Birne (Pyrus pyrifolia), Dattelpflaume (Diospyros virginiana), Lotuspflaume (Diospyros lotus), Goji Beere (Lycium barbarum), türkische Kirschpflaume (Prunus cerasifera) oder auch Mini-Kiwi (Actinidia arguta). Mit diesen Pflanzen habe ich persönlich aber noch keine Erfahrungswerte.

Bambus + Gräser

Auch Bambusse sorgen für viel exotisches Flair im Garten. Die exotischten Bambus-Arten entstammen der Gattung der Phyllostachys. Sie bilden die kräftigsten Halme, müssen aber, da sie stark ausläuferbildend sind, mit einer Rhizomsperre gepflanzt werden. Innerhalb der Gattung gibt es einige winterharte Arten.

Ebenfalls sehr exotisch wirkt Pampasgras. Pampasgras ist absolut winterhart und benötigt auch im Sommer keine gesonderte Pflege.

Rankpflanzen

Die Klettergurke (Akebia quinata) ist die einzige exotische Rankpflanze, die völlig winterhart ist. Aufgrund ihrer guten Eignung in unserem Klima ist sie in vielen Ländern inzwischen als invasiver Neophyt eingestuft. Man sollte daher darauf achten, dass die Klettergurke nicht verwildert.

Weitere Pflanzen

Es gibt eine ganze Reihe weiterer winterharter Exoten. Exemplarisch genannt seien hier der japanische Blutfächerahorn (Acer palmatum ) und die japanische Strauchspiere (Goldspiere), zwei asiatische Sträucher, die den Garten mit ihren farbintensiven Blättern bereichern.

Es gibt auch einige winterharte Blumen. Sehr schön finde ich beispielsweise die aus Afrika stammenden Mittagsblumen (Dorotheanthus), die es in unterschiedlichsten Farben gibt.

Fazit

Exotengärtnern muss weder aufwändig noch teuer sein. Selbst für die rauen Gegenden Deutschlands lassen sich genügend Exoten finden, die man ohne besondere Schutz- und Pflegemaßnahmen kultivieren kann.

Wählt man die Exoten (siehe: Exoten-Konfigurator) mit Bedacht aus, so erübrigt sich die Frage, wie groß der ökologische Fussabdruck ist, den man mit seinem Gärtnern hinterlässt. Vielmehr gelangt man so zu einem nachhaltigen Exotengärtnern.

Thomas Amersberger geht in seinem Buch Global Gardening noch einen Schritt weiter: da unsere Sommer + Winter im Zuge des Klimawandels immer wärmer + trockener werden, sind inzwischen einige einheimische Pflanzen bei uns in den Sommermonaten auf intensive Bewässerung angewiesen. Sogesehen sind winterharte, trockenverträgliche Exoten die ökologisch-nachhaltige Lösung und die Zukunft für unsere Gärten.


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