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Schnitt von Pflanzen

Der Schnitt von Pflanzen ist eine Wissenschaft für sich: es gibt Pflanzen, die zwingend geschnitten werden sollten und solche, die gar keinen Schnitt benötigen. Es gibt Pflanzen, die im Frühjahr geschnitten werden sollten und solche, die den Schnitt im Spätsommer benötigen. Und es gibt diverse Schnitttechniken und Regeln, die man dabei beachten sollte…

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Schnitttechniken
Technik Beschreibung
Schnitt auf Astring Beim Schnitt auf Astring lässt man – bei stärkeren Zweigen und Ästen – den meist deutlich erkennbaren Astring an der Ansatzstelle der Verzweigung wenige Millimeter stehen (Huthaken vermeiden). Insbesondere bei Obstgewächsen sollte die Wunde rasch mit Wundverschlussmittel behandelt werden, da Obstbäume gegen die bis zum Überwachsen („Überwallen“) der Wunde eingedrungenen Pilze wehrlos ist.
Schnitt auf Knospe Der Schnitt auf Knospe (Anschneiden) bedeutet, dass während der Vegetationsruhe bei einem einjährigen Ast im zeitigen Frühjahr vor bzw. über einer Knospe geschnitten wird und die Knospe so zum Austrieb gezwungen wird.
Schnitt auf Verzweigung Der Schnitt auf Verzweigung bedeutet, dass ein mehrjähriger Ast an seinen Verzweigungsstellen abgeschnitten wird. Läßt man den höher stehenden Trieb stehen, wird das als „Aufleiten“ bezeichnet, andersherum als „Ableiten“. „Aufleiten“ führt zu stärkerem Wachstum. „Ableiten“ führt zu verringertem Wachstum, aber zu stärkerer Fruchtholzbildung.
Schnittarten
Art Beschreibung
Auslichtungs- / Erhaltungsschnitt Dieser Schnitt dient dazu, die Pflanze auszulichten. Hierbei werden Konkurrenztriebe, Wassertriebe, überkreuz stehende und alte Triebe entfernt.
Erziehungs- / Pflanzschnitt Dieser Schnitt dient dazu, eine bestimmte Wuchsform zu erreichen. Für Bäume bietet sich hier die Pyramidenform an. Der Erziehungsschnitt erfolgt zwischen dem 2. und dem 5. Lebensjahr. Er sollte bei Bäumen so erfolgen, dass der Baum am Mitteltrieb 3 gleichmäßig verteilte Leitäste hat. Die Leitäste sollten untereinander an ihren Spitzen etwa einen Abstand von 1m haben und zum Stamm etwa einen 45°-Winkel bilden. An diesen Leitästen sollen wiederum 3 Fruchtäste entstehen, die etwa in einem Winkel von 60° zum Stamm stehen. Alle anderen Äste sollen mehr oder weniger waagerecht stehen und werden „Fruchtholz“ genannt. Fruchtholz sollte nicht geschnitten werden. Die optimalen Winkel können Sie auch durch Aufbinden zu flach wachsender Äste oder durch Beschweren zu steil-stehender Äste erreichen. Damit möglichst viel Licht an die Krone fällt, sollte man die Zweige nach außen ableiten.
Form- / Fassonschnitt Durch den Formschnitt wird eine Pflanze bzw. deren Krone wieder in eine ausgewogene Form gebracht.
Frucht- / Ertragsschnitt Der Fruchtschnitt dient dazu, Fruchtbildung und -qualität zu steigern. Hierzu werden alte und blütenarme / blütenlose Triebe (Wassertriebe) entfernt, damit die blütenreichen Triebe viel Licht erhalten.
Saftwaage Die größte Wasserverdunstung einer Pflanze erfolgt i.d.R. über die höchstgelegenen, Sonnen-nächsten Blätter. Mittels Transpirationssog (von den Blättern), Kapillarwirkung (der feinen Leitgefäße) + osmotischem Druck (aus den Wurzeln) werden genau diese Pflanzenteile in Folge am besten versorgt, was wiederum dazu führt, dass diese Pflanzenteile am besten wachsen und die restlichen Pflanzenteile aufgrund fehlender Sonne + schlechterer Versorgung kümmern. Um eine ungleiche Wasserverteilung zu verhindern, sollte man Pflanzen nach dem Prinzip der Saftwaage schneiden. Hierbei werden Leittriebe ungefähr auf die gleiche Höhe geschnitten. Sind die Leittriebe bereits ungleichmäßig entwickelt, so sollten die höhergelegenen, stärker-entwickelten Triebe wenig und die schwächer-entwickelten stark zurückgeschnitten werden, denn auf einen starken Rückschnitt erfolgt ein starker Austrieb und auf einen schwachen Rückschnitt erfolgt ein schwacher Austrieb. Insbesondere bei Obstbäumen sorgt diese Schnitttechnik für einen hohen Ertrag.
Verjüngungsschnitt Der Verjüngungsschnitt dient dazu, den Neuaustrieb anzuregen. Der Schnitt ist erforderlich, wenn die Blüten- und Triebbildung im Alter nachläßt. Die Krone wird dabei um ca. ein Drittel zurückgeschnitten. Der Mitteltrieb wird so geschnitten, dass Seitentriebe und Mitteltrieb wieder etwa einen 90°-Winkel bilden.
Schnittregeln
ID Regel
1 starker Schnitt führt zu schnellerem Wachstum, weniger Blüten / Früchten und größeren Früchten; schwacher Schnitt führt zu langsameren Wachstum, mehr Blüten / Früchten und kleineren Früchten
2 Frühblüher im Sommer direkt nach der Blüte schneiden, Spätblüher im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb
3 Schnittmaßnahmen idealerweise bei warmen und trockenen Witterungsbedingungen
4 Starke Triebe nur leicht, schwache Triebe stark kürzen
5 Verblühte und abgestorbene Pflanzenteile regelmäßig herausschneiden
6 Stark verzweigte Triebe ausdünnen
7 Sträucher regelmäßig in Form schneiden
8 Ziergehölze niemals oben oder seitlich auf eine Höhe trimmen: das führt nur zu nach unten verkahlenden und nach oben besenartig wachsenden, unschönen Sträuchern
9 Stark wachsende Hecken für einen dichten Wuchs zwei Mal im Jahr schneiden
10 Immer schräg schneiden, damit sich auf der Schnittwunde kein Regenwasser sammeln kann (Pilzgefahr)

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