Tipps für Exoten-Einsteiger

Um etwas Exotik in den eigenen Garten zu zaubern, stellen viele Menschen während der Sommermonate gerne exotische Pflanzen auf ihre Terrasse. Eine dauerhafte Auspflanzung ist – meist aus Unwissenheit – keine Option. Wer den Schritt der Auspflanzung dennoch wagt, sollte sich vorab auf alle Fälle gut informieren, hat dann aber beste Chancen, vom Exotenfieber dauerhaft gepackt zu werden…

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Generell

Exotische Pflanzen können bei uns eigenständig – d.h. ohne menschliches Zutun – i.d.R. nicht überleben. Wer erhöhten Schutz- + Pflegeaufwand für seine Pflanzen scheut, sollte daher auf exotische Pflanzen im eigenen Garten verzichten, alleine der Pflanzen zuliebe.

Im Prinzip ist es ganz einfach: als Exotengärtner muss man das Delta der klimatischen Bedingungen einer Pflanze am Naturstandort mit denen im eigenen Garten über entsprechende Schutz- und Pflegemaßnahmen bestmöglich schliessen. Je größer das Delta, umso höher der Schutz- und Pflegebedarf.

Spielt man mit dem Gedanken, exotische Pflanzen im eigenen Garten auszupflanzen, so sollte man sich über 3 Dinge im Klren sein:

1. Exoten benötigen im Sommer Pflege Viele Exoten haben im Sommer erhöhten Pflegebedarf, weil sie (z.T. erheblich) mehr Wasser + Dünger als einheimische Pflanzen benötigen.
2. Exoten benötigen im Winter Schutz Fast alle Exoten benötigen bei uns im Winter ab gewissen Temperaturen einen Kälteschutz. Je nach Pflanze ist zusätzlich eine Beheizung erforderlich. Bestimmte Exoten (insbesondere Wüstenpflanzen) muss man im Winter auch vor Nässe schützen, da sie die feuchten Winter bei uns nicht vertragen.
3. Geschickte Pflanzen- + Standort-Wahl reduziert Schutz- + Pflege-Aufwand Es gibt exotische Pflanzen, die für eine dauerhafte Auspflanzung bei uns (bedingt) geeignet sind und solche, die es nicht sind. Die Auswahl geeigneter Pflanzen hängt vom Wohnort ab und lässt sich durch geschickte Standortwahl im Garten, Bodenaufbereitungen sowie das Inkaufnehmen erhöhter Schutz- + Pflegemaßnahmen in gewissem Maß erweitern. Man sollte hier jedoch realistisch bleiben!
Informationsbeschaffung

Heutzutage gibt es (glücklicherweise!?!) Unmengen an Informationsquellen für die Freilandkultur exotischer Pflanzen: Spezial-Gärtnereien, Fachbücher, Blogs, Websites, Foren, usw. Leider gibt es – wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftigt – auch Unmengen an unterschiedlichen Meinungen zur Freilandkultur exotischer Pflanzen. Woran liegt das? An Experten, die gar keine sind? An Verkäufern, die nur verkaufen wollen? Am Internet, wo jeder mitreden darf? Ich bin der festen Überzeugung, es liegt vorallem daran, dass es die Wahrheit gar nicht geben kann. Das liegt einfach daran, dass es derart viele Einflussfaktoren für die erfolgreiche Kultur gibt: die Pflanze mit ihren spezifischen Erfordernissen, der Auspflanzort mit seinen spezifischen Standort-Bedingungen und ein Gärtner mit seinem ganz spezifischen Handeln (Können + Wollen). Diese Gemengelage lässt sich unmöglich mit einer einzigen Kennzahl (wie z.B. Winterhärte, Frosthärte o.ä.) ausdrücken.

Wenn es schon für diese komplexen Zusammenhänge keine Formel / Kennzahl geben kann, so könnte es ja zumindest entsprechendes Erfahrungswissen geben. Aber – wo soll diese Erfahrung herstammen? So viele Exotengärtner gibt es in Deutschland noch nicht, schon gar nicht in den rauen Gegenden Deutschlands, also im Osten und Südosten Deutschlands.

Was bedeutet das für den Exoten-Einsteiger? Es macht definitiv Sinn, sich über Fachbücher, Internet-Foren o.ä. zunächst ein exotisches Grundverständnis aufzubauen. Wenn es dann aber um die konkrete Ausplanung der Schutz- und Pflegemaßnahmen geht, sollte man ‚allgemeingültigen‘ Tipps eher kritisch gegenüber stehen, insbesondere, wenn man aus den rauen Gegenden Deutschlands kommt. Ab hier muss man dann doch seinen eigenen Weg gehen. Und dieses Experimentieren kann durchaus Spaß machen…

Standortbedingungen

Du solltest das Makroklima – also die klimatischen Bedingungen an Deinem Wohnort – kennen. Die wichtigsten Kenngrößen hierbei sind Temperatur- + Niederschlagswerte.

Temperaturwerte Hierzu gibt es sogenannte Klimakarten. Eine Karte für Deutschland findest Du zum Beispiel hier.
Niederschlagswerte Durchschnittliche Niederschlagsmengen pro Jahr findest Du für Deinen Ort z.B. hier.
Pflanzen-Auswahl
Pflegebereitschaft abschätzen Es stellt sich die Frage, ob man beispielsweise bereit ist, Pflanzen in Hitzephasen z.T. täglich zu bewässern und wie sich das mit dem eigenen Urlaub vereinbaren lässt. Und natürlich ist eine extensive Bewässerung + Düngung auch finanziell nicht zu unterschätzen.
Schutzbereitschaft abschätzen Das Errichten des Winterschutzes kann durchaus zeitaufwändig sein. Der Auf- + Abbau des Schutzes kann je nach Winter ggf. auch mehrmals erforderlich sein. Und die Kosten können hoch sein, Materialkosten auf der einen Seite, laufende Stromkosten auf der anderen Seite, falls beheizt werden muss.
Geeignete Exoten finden Auf Basis der Standortbedingungen + Deiner Schutz- + Pflegebereitschaft geht es an die Pflanzen-Auswahl. Hier ist Vorsicht geboten: Händler preisen manchen Exoten gerne mal als winter- oder frosthart an, der es gar nicht ist. Eine 1. Indikation, welche Pflanzen bei Dir mit welchem Schutz- + Pflegeaufwand auspflanzbar sind, erhälst Du über den Exoten-Konfigurator. Verlässlich sind auch diese Informationen nur bis zu einem gewissen Grad, da Pflanzen in gewissem Rahmen genetisch variieren und je nach Vorgeschichte an unser Klima bereits mehr oder weniger gut gewöhnt sind.
Kauf

Beim Exoten-Kauf sollte man folgende Regeln beachten:

Mit winterharten Exoten starten Als Exoten-Einsteiger solltest Du Dir zunächst ‚einfache‘ Exoten aussuchen, um Erfahrungen zu sammeln. ‚Einfach‘ sind Pflanzen, die vollkommen nässeverträglich sind und Minimum 2 Klimazonen frosthärter eingestuft sind als Dein Standort. Bei diesen Pflanzen kommst Du im Winter i.d.R. komplett ohne Frost- + Nässeschutz aus. Wenn Du so die ersten 1-2 Saisons Erfahrungen sammeln konntest, kannst Du Dich langsam an kritischere Exoten heranwagen…
Frostharte Unterarten, Hybride + Sorten selektieren Möchte man eine Vielzahl unterschiedlicher Exoten in seinem Garten dauerhaft kultivieren, so muss man neben den quasi-winterharten Pflanzen auch auf weniger frostharte Pflanzen zurückgreifen. Um das Winterrisiko (+ den Schutzaufwand) für diese Exoten zu minimieren, reicht es nicht aus, eine bestimmte Pflanzengattung oder -art auszusuchen, sondern man sollte innerhalb der gewünschten Pflanzenart schauen, ob es Unterarten, Hybride oder spezielle Sorten gibt, die aufgrund ihrer ursprünglichen Herkunft genetisch besonders frosthart oder nässeverträglich sind, wo also die Voraussetzungen (Klima, Boden, …) am Naturstandort den eigenen am nächsten kommen.
Kräftig statt groß Ein typischer Anfänger-Fehler: ich will das maximale für mein Geld bekommen, also kaufe ich die größte Pflanze. Nicht die größte Pflanze ist aber die beste, sondern die kräftigste. Kräftig heißt: kräftige Wurzeln, kräftiger Stamm, gesunde Blätter. Kauft man aus einem Pflanzensortiment die größte Pflanze, so ist diese womöglich stark ‚vergeilt‘. Pflanzen vergeilen, wenn viele Pflanzen im warmen, aber lichtarmen Gewächshaus sehr eng nebeneinander stehen. Um ans Licht zu kommen, wachsen diese Pflanzen sehr schnell in die Höhe, haben dann aber meist sehr dünne und labile Stämme, Zweige + Stengel.
Jung statt alt ‚Einen alten Baum verpflanzt man nicht.‘ Dieser Aspekt gilt bei exotischen Pflanzen umso mehr, da sich diese an ein womöglich ganz anderes Klima, anderen Boden etc. gewöhnen müssen, als sie es aus ihrem Herkunftland gewohnt sind. Also: exotische Pflanzen sollten idealerweise maximal 5 Jahre alt sein, so dass sie noch flexibel genug sind, sich an das neue Umfeld gewöhnen zu können.
Abgehärtete Pflanzen auswählen Gerade das 1. Gartenjahr stellt besondere Herausforderungen an die Pflanze. Die klimatische Umstellung ggü. dem vorherigen Standort fällt Pflanzen meist sehr schwer. Man sollte daher herausfinden, wie die Pflanze beim Verkäufer kultiviert wurde. Im Idealfall hat die Pflanze bereits wenigstens den letzten Winter beim Verkäufer unter vergleichbaren klimatischen Bedingungen draussen überwintert und ist an das hiesige Klima gewöhnt. Kritisch sind Pflanzen aus sehr wintermilden Gegenden sowie Gewächshauspflanzen, die faktisch nur ideale Bedingungen kennen.
Schnäppchen zunächst vermeiden Meine erste Hanfpalme habe ich in einer etablierten Spezialgärtnerei für Exoten gekauft, hier vor Ort in München. Sicher habe ich weitaus mehr bezahlt als bei irgendeinem halbscharigen eBay-Verkäufer, aber das war es mir wert. So konnte ich als Exoten-Einsteiger halbwegs sicher sein, Qualität zu bekommen. Die Palme ist noch heute bei mir im Garten und liegt mir ganz besonders am Herzen.
Auspflanzung

Bei der Auspflanzung sollte man folgende Dinge beachten:

Mikroklima Deines Gartens Du solltest das Mikroklima – also die unterschiedlichen Klimazonen – in Deinem Garten kennen. Du solltest also in etwa wissen, an welchen Stellen im Garten die Sonne morgens, mittags und abends scheint. Du solltest wissen, wo es vollsonnige oder auch dauerschattige Plätze in Deinem Garten gibt. Du solltest Dir Gedanken machen, welche Stellen im Garten schonungslos den im Winter eisig-kalten Nord-Ost-Winden ausgesetzt sind und wo es auf der anderen Seite sehr windgeschützte Ecken gibt. Wenn Dir das nicht so klar ist, hilft ggf. eine kleine Gartenanalyse.
Bodenart am Standort Die Bodenart hat direkten Einfluss auf Pflege- + Schutzbedarf. Lehmboden erfordert gegenüber Sandboden während der Sommermonate weniger Pflege. Da Lehmboden nährstoffreicher ist, muss er weniger gedüngt werden. Und da er Wasser besser speichern kann, muss er weniger bewässert werden. Andererseits besteht ein höheres Staunässe-Risiko. Im Winter hat Lehmboden eher Nachteile: Lehmboden ist bei Bodenfrost (siehe: Gefahren durch Bodenfrost) länger gefroren, so dass die Gefahr der Frosttrocknis, also das Vertrocknen von Pflanzen im Winter aufgrund des dauer-gefrorenen Bodens und der damit fehlenden Wasser-Versorgung, weitaus höher ist. Gerade immergrüne Exoten sind auch im Winter auf eine bestimmte Wasser-Versorgung angewiesen.
Bedarf der Pflanze Was für ein Klima benötigt die konkrete Pflanze? Obstpflanzen brauchen beispielsweise viel Sonne zum Ausreifen der Früchte, Wüstenpflanzen lieben es sehr trocken. Information ist auch hier das A und O: so ist es beispielsweise ein Trugschluss, Palmen würden grundsätzlich einen trockenen, vollsonnigen Platz benötigen. Es gibt Palmen, die im Unterholz des Regenwaldes mit schwachem Licht und Nässe im Überfluss aufwachsen. Ähnlich ist es mit dem Boden: Wüstenpflanzen z.B. benötigen sandigen Boden, da sie auf Staunässe sehr empfindlich reagieren, durstige Pflanzen lieben Lehmboden. Der Boden lässt sich bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Dazu sollte man das Pflanzloch möglichst groß gestalten, um das Erdreich um die Pflanze herum geeignet aufzubereiten. Nässeempfindliche Pflanzen freuen sich hierbei über eine Drainageschicht.
Zeitpunkt der Auspflanzung Gerade für immergrüne Exoten ist es extrem wichtig, dass die Pflanze genügend Zeit hat, vor dem 1. Winter vernünftig einzuwurzeln. Andernfalls droht Frosttrocknis, was das Ende der Pflanze bedeuten kann. Daher: Exoten sollten idealerweise kurz nach den Eisheiligen ausgepflanzt werden, ggf. je nach Witterung auch ein Stück eher.
Pflege + Schutz
Bewässerung Während einheimische Pflanzen im eigenen Garten i.d.R. über die natürlichen Niederschläge adäquat versorgt werden, sind die Ansprüche exotischer Pflanzen oftmals nicht über unser Klima abgedeckt: einige Exoten benötigen eine zusätzliche Bewässerung (siehe: Bewässerung von Exoten), andere müssen vor den Regenmassen geschützt werden…
Düngung Damit exotische Pflanzen bei uns gut gedeihen können, sind sie i.d.R. auf zusätzliche Nährstoffe angewiesen. Im Handel wird dazu meist sehr teurer Spezialdünger angeboten. Mit einem gewissen Grundverständnis (siehe: Düngung von Exoten) geht das auch günstiger…
Winterschutz Möchte man sich den Traum von exotischen Pflanzen im eigenen Garten erfüllen, so stellt der angemessene Winterschutz (siehe: Winterschutz von Exoten) in unseren lang-anhaltenden, feucht-kalten Wintern die größte Herausforderung dar. Dabei sollten gewisse Winterschutz-Grundregeln beachtet werden. Winterschutz bedeutet Schutz vor Frost + Nässe. Gerade in den rauen Gegenden Deutschlands stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Hier ist gutes Dämmmaterial wie Styropor / Styrodur oder auch Luftpolsterfolie (jawohl!) wichtig und Heizlüfter sollte man immer mindestens als Backup haben. Und in kalten Gegenden muss meist auch länger geschützt werden (durchaus auch mal 4-5 Monate), weshalb man den Schutz immer wieder belüften oder auch teilabbauen muss.
Mangelerscheinungen + Krankheiten Mangelerscheinungen + Krankheiten zeigen sich meist zuerst an den Blättern. Stellt man hier Veränderungen fest, sollte man schnellstmöglich nach Ursachen suchen und für Abhilfe sorgen.
Fazit

Der Einstieg ins Exoten-Hobby, aber auch der laufende Pflege- + Schutzaufwand ist – wie man sieht – nicht zu unterschätzen. Hat einen das Exoten-Fieber aber erstmal gepackt, so wird man das ganze Jahr über immer wieder vor spannende, neue Herausforderungen gestellt…


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