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Trachycarpus fortunei: Kultivierung im deutschsprachigen Raum Chinesische Hanfpalme


 

Wie winterhart ist eine Trachycarpus fortunei wirklich – und wie stark hängen Frostschutz, Nässeschutz und Bewässerung vom Standort ab? Dieser Beitrag zeigt datenbasiert, wie unterschiedlich sich Hanfpalmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kultivieren lassen.

Trachycarpus fortunei: die winterharte Einsteigerpalme?

Die chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) gilt als Einsteiger-Palme, wenn es um die Kultivierung von Palmen im eigenen Garten gibt. Warum? Weil sie vorallem als ziemlich frosthart gilt.
Trotzdem kommt es bzgl. Kultivierung im deutschsprachigen Raum immer wieder zu kontroversen und z.T. hitzigen Diskussionen. Braucht es einen Frostschutz? Ab wann muss beheizt werden? Schadet winterliche Nässe? Wie stark sollten Hanfpalmen bewässert und gedüngt werden? Braucht eine Hanfpalme durchlässiges Substrat? – Ganz schön verwirrend für manchen Palmen-Einsteiger.
In diesem Beitrag möchte ich das Thema Kultivierung datenbasiert beleuchten, in der Hoffnung, für etwas mehr Klarheit zu sorgen.
Nachdem ich zuletzt bereits einen Städtevergleich bzgl. Kultivierung einer Trachycarpus fortunei für 3 ausgewählte deutsche Städte (Westerland, Magdeburg, Garmisch-Partenkirchen) durchgeführt hatte, folgt nun der Kultivierungsvergleich für den kompletten deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Trachycarpus fortunei: Kultivierungsanforderungen

Bereits bei den Kultivierungsanforderungen einer Hanfpalme scheiden sich die Geister, insbesondere, was das Thema Frosthärte betrifft. Häufig findet man Frosthärte-Angaben von etwa -17°C oder noch darunter.
Gemäß einer Studie von Professor Walter Larcher gibt es deutliche Unterschiede bei der Frosthärte der einzelnen Pflanzenteile einer Hanfpalme:
 
Trachycarpus fortunei: Frostverträglichkeit nach Prof. Larcher
Foto: Trachycarpus fortunei – Frostverträglichkeit nach Prof. Larcher
Demzufolge ist man gut beraten, Fröste unter -11°C zu vermeiden, damit auch die frostkritischen Blätter einer Hanfpalme möglichst unversehrt über den Winter kommen.
Zum Thema Nässeverträglichkeit einer Hanfpalme sei an dieser Stelle auf den Beitrag Trachycarpus fortunei: Nässeempfindlichkeit verwiesen.
Entsprechend kann man für eine vitale (= ohne Vorschäden), etablierte (= gut verwurzelte) und adulte (~ 2m Stammhöhe) Trachycarpus fortunei in etwa folgende Pflanzen-Bedarfe ansetzen:

Kenngröße Pflanzen-Bedarf
Tiefsttemperatur >= -11°C
Nässeverträglichkeit (Nov-Apr.) mittel (<= 500mm)
Wasserbedarf (Mai-Okt.) hoch (>= 700mm)
Lichtbedarf hoch (>= 4.400 MJ/m²)
Für das vitale Wachstum einer Hanfpalme sollte man vorallem Frosteinwirkungen unter -11°C verhindern und im Sommer für eine gute Bewässerung sorgen.

Klima-Spreizung im deutschsprachigen Raum

Bewertungs-Grundlage sind die für die Kultivierung wesentlichen Klimadaten im kompletten deutschsprachigen Raum, je Standort als Durchschnittswerte aus den Jahren 2011-2025.
Länderspezifisch ergibt sich danach folgende Klima-Spreizung:

Klimawerte DE AT CH
∅ Tiefsttemp. (°C) -18.2 … -2.6 -21.0 … -9.4 -22.5 … -4.2
∅ NS Winter (Nov–Apr, mm) 229 … 687 185 … 751 356 … 876
∅ NS Sommer (Mai–Okt, mm) 324 … 1026 385 … 1194 506 … 1467
∅ Globalstrahlung (Jan-Dez, MJ/m²) 3822 … 4631 4416 … 5197 4546 … 5936
Die Klima-Spreizung ist im deutschsprachigen Raum immens: jährliche Tiefsttemperaturen liegen etwa zwischen -2 und -22°C, Niederschläge variieren grob um den Faktor 4 und die Globalstrahlung immerhin um den Faktor 1.5.

KlimaGap™: regionales Pflanzen-Klima-Delta einer Hanfpalme

Damit ergibt sich folgendes Bild für das Pflanzen-Klima-Delta einer Hanfpalme in Deutschland (DE), Österreich (AT) und der Schweiz (CH):

Klima · Pflanze

Es gibt im deutschsprachigen Raum Gegenden, wo Hanfpalmen absolut winterhart sind und solche, wo man zwingend einen beheizten Frostschutz benötigt. Und es gibt Gegenden, wo Hanfpalmen im Sommer i.d.R. ohne Zusatzbewässerung auskommen und solche, wo man sie intensiv bewässern sollte.

KlimaFit™: regionale Kultivierungsbedarfe einer Hanfpalme

Schutz- und Pflegebedarfe sind so ausgelegt, dass eine vitale, etablierte und adulte Trachycarpus fortunei einen durchschnittlichen Winter am jeweiligen Standort möglichst unbeschadet übersteht und im Sommer für ein vitales Wachstum ausreichend versorgt ist.
Dazu werden standort-spezifisch Pflanzen-Klima-Deltas in Form eines schulnotenbasierten KlimaGap-Index™ berechnet, die mit erforderlichen Schutz- und Pflegemassnahmen belegt werden und in einem Kultivierungsaufwand in Form eines ebenfalls schulnotenbasierten KlimaFit-Index™ je Standort münden. Bewässerungsbedarf und Strombedarf entsprechen hierbei dem Bedarf einer adulten Hanfpalme in einer klimatisch durchschnittlichen Saison. Der Strombedarf setzt einen adäquaten Frostschutz voraus. Die winterliche Beheizung (=aktiver Frostschutz) ist auf -8°C ausgelegt, um noch etwas Puffer zur Frosthärte der Palmenblätter (=-11°C) zu haben.
Du willst mehr Infos zum KlimaFit-Index™ / KlimaGap-Index™? – Alles zu Methodik und Aussagegehalt des KlimaFit-Index™ / KlimaGap-Index™.
Über das Auswahlfeld Kennzahl kannst Du zwischen den Kennzahlen umschalten.
Durch Anklicken der Farbskalabereiche in der Legende kannst Du je Kennzahl ähnliche Standorte hervorheben.
 
Um das ganze konkreter zu machen, hier einige ausgewählte Städte im direkten Vergleich:
Stadt Tmin (°C) NS Winter (mm) NS Sommer (mm) Frostschutz Strombedarf (kWh) Bew.bedarf (l)
DE / Westerland (25980) -3.5 388 521 269
DE / Magdeburg (39104) -11.3 253 355 aktiv 3.9 518
DE / Garmisch-Partenkirchen (82475) -16.9 525 991 aktiv 18.9
AT / Klagenfurt am Wörthersee (9020) -13.4 420 663 aktiv 8.5 56
AT / Tamsweg (5580) -17.0 519 851 aktiv 19.2
CH / Locarno (6600) -7.4 642 1095 passiv
CH / St. Moritz (7500) -22.5 494 757 aktiv 41.2

Fazit: Kultivierungsbedarfe regional extrem unterschiedlich

Die Kultivierung einer Trachycarpus fortunei ist fast überall im deutschsprachigen Raum mit nicht unerheblichen Aufwänden verbunden.
Häufig wird die Frosthärte und vorallem der damit verbundene Winterschutz-Aufwand für eine adulte Hanfpalme massiv unterschätzt. Ab einer Stammhöhe von etwa 2m wird der Winterschutz schon eine echte Herausforderung, ab 3m Stammhöhe ist ein aktiver Winterschutz kaum noch leistbar.
Regional gibt es massive Unterschiede, was die konkreten Schutz- und Pflege-Maßnahmen betrifft: der Gärtner aus Westerland versteht nicht, warum man Hanfpalmen im Winter schützt. Der Gärtner aus Garmisch versteht nicht, warum man sie im Sommer gießt. Und der Gärtner aus Magdeburg kann belegen, dass sie ohne Wasser eingehen. Alle drei haben recht – aber nur an ihrem Standort. Es gibt also nicht das Patentrezept, wie man eine Hanfpalme erfolgreich kultiviert.
Kontroverse Diskussionen in Fachforen zur richtigen Kultivierung einer Hanfpalme sind von daher nur folgerichtig, solange man die klimatischen Unterschiede im deutschsprachigen Raum vernachlässigt. Überflüssig sind diese Diskussionen trotzdem. Und dem Palmen-Einsteiger helfen sie auch nicht…

Karten zum Download:

 

FAQ: Trachycarpus fortunei im deutschsprachigen Klima

Wie winterhart ist eine Trachycarpus fortunei wirklich?

Trachycarpus fortunei gilt als winterhart bis etwa -17°C. Für ein dauerhaft gesundes Wachstum sollten jedoch Fröste unter -11°C vermieden werden, da insbesondere die Blätter frostempfindlich reagieren.

Braucht eine Hanfpalme in Deutschland Frostschutz?

Das hängt stark vom Standort ab. In milden Regionen wie Nordseeküste oder Rheinraum ist oft kein aktiver Frostschutz nötig, während in kontinentalen oder alpinen Lagen ein beheizter Frostschutz erforderlich sein kann.

Wie beeinflusst Niederschlag die Kultivierung?

Winter-Niederschläge sind i.d.R. unproblematisch. Im Sommer hingegen benötigt die Hanfpalme ausreichend Wasser für ein vitales Wachstum.

Wo wächst eine Trachycarpus fortunei am besten?

Optimal sind Standorte mit milden Wintern (Tmin > -11°C) und ausreichender Sommerfeuchte. Besonders geeignet sind klimatisch begünstigte Regionen in Westeuropa.

Ist eine Trachycarpus fortunei für Einsteiger geeignet?

Die Hanfpalme gilt als Einsteigerpalme. In Gegenden, wo die Hanfpalme im Winter beheizt werden muss, stellt der Winterschutz allerdings bei adulten Palmen eine echte Herausforderung dar.