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Ficus carica: Pflege Feigenbaum

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    Ficus carica sind relativ pflegeleicht. Und die Vermehrung über Steckhölzer ist recht einfach und macht viel Spaß.

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    ALLGEMEIN

    Feigen kommen an ihrem Naturstandort mit wenig Wasser und Nährstoffen aus, sind von daher sehr genügsam und anspruchslos.
    Ein Überschuss an Wasser und Nährstoffen (Dünger) forciert das Wachstum auf Kosten der Fruchtproduktion.

    DÜNGUNG

    Ausgepflanzte Feigen kommen bei uns ohne zusätzliche Nährstoffe aus.
    Möchte man trotzdem düngen, so sollte man ab Blattaustrieb bis Ende Juli dezent mit einem kaliumbetonten Dünger arbeiten. Kalium sorgt für eine gute Fruchtausbildung und für eine gute Frosthärte (Verholzen der Feigentriebe).
    Empfehlenswert ist entsprechend ein Volldünger etwa im NPK-Verhältnis 4-1-8 (wie z.B. ‚Siforga Bio V‘).

    BEWÄSSERUNG

    Ausgepflanzte Feigen kommen bei uns i.d.R. ohne zusätzliche Bewässerung aus.
    Während längerer heisser Dürrephasen bzw. kurz vor der Fruchtreife ist eine zusätzliche dezente Bewässerung mit kalkarmem Wasser (idealerweise Regenwasser) aber sinnvoll. Auch frisch gepflanzte Feigen sollten die ersten Monate regelmäßig gegossen werden, bis sie ein entsprechend großes Wurzelwerk entwickelt haben. Staunässe sollte auf alle Fälle vermieden werden.

    SCHNITT

    Vorab: auch, wenn man immer wieder vom Feigenbaum / Feigenstämmchen liest, wachsen Feigen von Natur aus nicht als Baum, sondern mehrtriebig als Strauch. Mit entsprechendem Schnitt lassen sie sich aber bei Bedarf zum Bäumchen umerziehen.
    Feigen sollten frühestens 2-3 Jahren nach Auspflanzung erstmals geschnitten werden.
    Herbstfeigen-Sorten (‚Unifera‘) fruchten am neuen Holz. Alte Triebe kann man bei diesen Feigensorten daher im Frühjahr (April / Mai) problemlos schneiden. Insbesondere können zurückgefrorene und kranke Triebe sowie Wasserschösslinge entfernt werden.
    Hausfeigen-Sorten (‚Bifera‘) fruchten zweimal, einmal am letztjährigen Holz (‚Brebas‘) und einmal – wie die Herbstfeigen-Sorten – am neuen Holz. Von daher sollte man beim 1. Schnitt im Frühjahr (April / Mai) nur verhalten schneiden, um den Großteil des letztjährigen Holzes zu erhalten. Im Sommer (August / September) ist ein 2. Schnitt möglich.
    Da Feigen die Versorgung der Trieb-Spitze (Apikaldominanz) priorisieren, sollte man bei Fruchtbildung entsprechende Endknospen abschneiden / herausdrehen (=’pinzieren‘). Die Apikaldominanz rührt daher, dass die Trieb-Spitze das Wachstumshormon Auxin produziert. Das ‚Pinzieren‘ forciert die Bildung von Seitentrieben und sorgt für einen verlässlichen und früheren Austrieb der Fruchtknospen. ‚Pinzieren‘ sollte man einen Trieb erst, wenn er Minimum 4 Blätter gebildet hat.

    VERMEHRUNG

    Eine generative Vermehrung über Samenkörner ist grundsätzlich möglich, aber bei uns nicht wirklich sinnvoll. Damit Feigensamen keimfähig ist, muss er durch die Feigengallwespe befruchtet werden. Da es die Feigengallwespe bei uns nicht gibt, sind die aus dem eigenen Garten gewonnenen Feigensamen nicht keimfähig. Kauft man Feigen aus dem Supermarkt, so handelt es sich i.d.R. um Smyrna-Feigen, also Feigen, die durch Feigengallwespen bereits befruchtete Samen beinhalten. Bringt man diese bei uns zum Keimen, so entstehen Feigenbäume, die leider nie reife Früchte produzieren werden, weil sie dazu wieder die Feigengallwespen benötigen.
    Bei uns bietet sich daher nur die vegetative Vermehrung an, entweder über Steckhölzer (mittels Zweig- / Astabschnitten) oder über Stecklinge (mittels Triebspitzen). Stecklinge sind tendentiell weniger gut geeignet, da sie ggü. Steckholz dazu neigen, relativ schnell auszutreiben, statt zunächst – wie eigentlich gewünscht – zu wurzeln.
    Eine vegetative Vermehrung hat den Vorteil, dass man den echten Klon einer Feige mit deren positiven Eigenschaften (Frosthärte, Fruchtgröße und -geschmack, etc.) erzeugen kann. Auch hier gilt: wenn man bei uns Früchte ernten will, sollten ausschließlich parthenokarpe Feigensorten genutzt werden, also selbstfruchtende Feigen-Sorten (die nicht auf die Feigengallwespe angewiesen sind).
    Bei der Steckholzvermehrung werden ca. 15-20cm lange, kräftige, gut-verholzte Zweig- / Astabschnitte mit 3-4 Knoten (Nodien) verwendet. Steckholz hat also 2 Schnittstellen und weder Blätter noch Wurzeln. Steckhölzer können prinzipiell jederzeit geschnitten werden. Idealerweise werden sie aber im Winter (etwa zwischen Dezember bis März) bei frostfreiem Wetter geschnitten. Beste Bewurzelungserfolge erzielt man mit frisch-geschnittenem diesjährigen Holz.
    Bringt man Steckhölzer aus dem Urlaub mit, so handelt es sich leider meist wieder um ungeeignete Smyrna-Sorten. Und bringt man Steckhölzer aus Asien, Amerika, Afrika oder Australien mit, so benötigt man zusätzlich beim Import stets ein Pflanzengesundheitszeugnis.
    Bei der Bewurzelung von Steckhölzern ist möglicherweise unklar, wo oben und wo unten ist, auf welcher Seite also bewurzelt werden muss. Das kann man gut an den Blattknoten (Nodien) erkennen, die immer aus einer kreisrunden Fläche (wo ein Blattstiel saß) und einer Verdickung (aus dem ein neuer Seitentrieb oder eine Frucht erwachsen kann) bestehen. Die Flächen für die Blattstiele müssen beim Steckholz nach unten zeigen, die Verdickung nach oben.
    Zur Überwinterung werden i.d.R. mehrere Steckhölzer zusammengeschnürt in einer Mischung aus etwa 80% Sand und 20% Torf (oder Torfersatz) leicht feucht z.B. im Keller gelagert.
    Zur Bewurzelung kann man Steckhölzer etwa im Februar / März direkt in Erde, in Moos, in feuchtes Zeitungspapier oder auch in ein Wasserglas setzen, idealerweise bei 22-26°C. Zur sehr schnellen Bewurzelung bietet sich die Fig-Pop-Methode an. Hierbei wird ein Plastikbeutel mit leicht feuchtem Substrat gefüllt, der Steckling ins Substrat gesteckt und der Plastikbeutel anschließend mit einem Gummiband möglichst luftdicht verschlossen, so dass nur noch der oberirdische Teil des Stecklings herausschaut. So kann der Steckling bei nahezu gleichbleibender Feuchtigkeit gut wurzeln. Nutzt man einen durchsichtigen Plastikbeutel, kann man den Bewurzelungsprozess auch gut beobachten.
    Steckhölzer sollten grundsätzlich Minimum 2/3 im Substrat stecken. Um ein Austrocknen zu verhindern, wird die obere Schnittstelle häufig mit Baumwachs versiegelt. Möchte man das Bewurzeln forcieren, so kann man die Steckhölzer auf eine Pflanzenheizmatte oder auf eine beheizte Fensterbank stellen und die Steckhölzer ggf. mit dem Bewurzelungshormon Auxin behandeln.
    Alternativ zur Vermehrung über Steckhölzer / Stecklinge ist auch eine Vermehrung durch Abmoosen oder über Absenker oder Wurzelausläufer möglich.
    Nach erfolgreicher Bewurzelung sollte man die Feige 3 Jahre im Kübel möglichst frostfrei überwintern. Danach ist eine dauerhafte Auspflanzung im Garten grundsätzlich möglich.