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Klimawandel: Auswirkungen auf exotische Pflanzen Exotengarten-Ratgeber


 

Die nachfolgende Betrachtung soll zeigen, wie sich das Klima in Deutschland (mit Blick auf typische Regionen wie Küste, Rheinland, Mitteldeutschland und Alpenrand) bis 2100 verändern kann – und was das für die Kultivierung exotischer Pflanzen bedeutet. Welche Pflanzen und welche Gegenden sind Gewinner und Verlierer des Klimawandels? Was sind die Pflanzen der Zukunft?

Dich interessiert, wie sich das Klima bei Dir zukünftig entwickelt und was das für exotische Pflanzen in Deinem Garten bedeutet? Der KlimaFit-Simulator liefert Dir detaillierte Analysen.

KLIMAWANDEL IN DEUTSCHLAND (HEUTE → 2100)

Der Klimawandel schreitet voran und wird Fauna und Flora unweigerlich verändern.
Nachfolgendes Diagramm zeigt zunächst für 8 ausgewählte, deutsche Städte erwartete Klimaveränderungen (heute → 2100) anhand der durchschnittlichen jährlichen Tiefsttemperatur, Winter- und Sommer-Niederschlagsmengen sowie jährlicher Strahlungsenergie. Basis sind gemittelte Klimadaten der letzten 15 Jahre (2011-2025) je Standort. Die Klima-Projektionen orientieren sich an offiziellen Modellen (IPCC / CMIP / DWD):

Stadt:

Fazit:

Der Klimawandel führt zu milderen, feuchteren Wintern und heißeren, trockeneren Sommern!

AUSWIRKUNGEN AUF EXOTISCHE PFLANZEN

Der KlimaGap-Index™ bewertet schulnoten-basiert das Delta aus Anforderungen der jeweiligen Pflanzenart und standortbezogenen Klimadaten. Ein KlimaGap Note 1 deutet hierbei auf mögliche Selbstständigkeit der Pflanze – also Neophyt-Potential – hin.
Nachfolgendes Diagramm zeigt entsprechend die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf das Pflanzen-Klima-Delta (KlimaGap) und das Neophyt-Potential. Die Kennzahlen werden je Standort für oben betrachtete 4 Klimawerte und über etwa 720 frostharte, exotische Pflanzenarten gemittelt berechnet.

Kennzahl:

Fazit:
Im Schnitt vergrößert sich das Pflanzen-Klima-Delta für exotische Pflanzen mit dem Klimawandel, insbesondere in Freiburg (+28.4%).
Heißt:

Der Klimawandel erschwert das Leben nicht nur für einheimische, sondern auch für viele exotische Pflanzen!

Immer wieder liest man, dass sich mit dem Klimawandel viele neue Pflanzenarten bei uns ansiedeln werden. Neophyten, die nun durch die milderen Winter eigenständig bei uns überleben können.
Das Ergebnis dieser Untersuchung mag von daher zunächst überraschen, ist aber folgerichtig:

Der Anteil potentieller Neophyten sinkt mit dem Klimawandel vielerorts!

Mildere Winter erleichtern zwar das Überleben frostkritischer Exoten – gleichzeitig werden die veränderten Niederschlagswerte aber für viele zum Problem:
Durstige Pflanzen kommen mit den trockeneren Sommern ohne Zusatzbewässerung nicht mehr aus. Und trockenheitsliebende Pflanzen leiden schon heute unter den bei uns sehr feuchten Wintern. Ohne Nässeschutz werden viele von ihnen in den zukünftig noch feuchteren Winter einfach vergammeln.

AUSWIRKUNGEN AUF KULTIVIERUNG EXOTISCHER PFLANZEN

Der KlimaFit-Index™ bewertet – ebenfalls schulnoten-basiert – aus dem KlimaGap abgeleitete Kultivierungsmaßnahmen hinsichtlich Aufwand (Zeit, Kosten, Energie). Je niedriger der Index, umso geringer die Kultivierungsaufwände.
Nachfolgendes Diagramm zeigt die Auswirkungen der Klimaveränderungen (heute → 2100) auf den Kultivierungsaufwand, den Strombedarf und den Bewässerungsbedarf. Die Kennzahlen werden wieder je Standort über etwa 720 exotische Pflanzenarten gemittelt berechnet.

Kennzahl:

Grundsätzlich gibt es bzgl. Kultivierungsmaßnahmen mit dem Klimawandel gegenläufige Effekte:

Der Klimawandel erfordert im Winter weniger Frostschutz, aber mehr Nässeschutz und im Sommer stärkere Bewässerung!

Die durch den Klimawandel induzierten Kultivierungsaufwände fallen regional recht unterschiedlich aus. In Garmisch-Patenkirchen sind z.B. merkliche Reduzierungen spürbar, während in Freiburg deutliche Aufwandserhöhungen drohen.
Tendentiell gilt für die Kultivierung exotischer Pflanzen aber:

Der Kultivierungsaufwand sinkt mit dem Klimawandel vielerorts leicht!

Auf der einen Seite reduzieren die zukünftig milderen Winter den Heizbedarf deutlich, absolut gesehen besonders stark im Süden:

Der winterliche Heizbedarf sinkt um über 50%!

Auf der anderen Seite steigen die Bewässerungsbedarfe massiv an. Es ist ein Irrglaube, dass exotische Pflanzen grundsätzlich geringen Wasserbedarf haben. Im Gegenteil: manche Exoten (wie z.B. Mammutblattgewächse oder Dicksonia) benötigen schon heute massive Zusatzbewässerung. Und hier verschärft sich das Problem bis 2100 weiter. So müssen im regenarmen Magdeburg im Jahr 2100 in der Vegetationsphase durchschnittlich etwa 180l / Pflanze gegossen werden, 50l mehr als heute. In München sind es ggü. heute gar 70l / Pflanze mehr an Bewässerung. Garmisch-Patenkirchen ist dagegen auch 2100 noch so regenreich, dass der Bewässerungsbedarf kaum ansteigt:

Der Bewässerungsbedarf steigt in der Vegetationsphase örtlich um bis zu 70l / Pflanze!

Was den Städtevergleich betrifft, ist Garmisch-Partenkirchen – im Vergleich zu 2025 – der größte Klima-Gewinner: während die Heizbedarfe stark sinken (um etwa 44%), steigen die sommerlichen Bewässerungsbedarfe hier kaum an. Absolut gesehen sind die Voraussetzungen im frostigen Garmisch natürlich trotzdem weiterhin eher ungünstig:

Garmisch-Partenkirchen ist – im Vergleich zu 2025 – der größte Klima-Gewinner unter den genannten Städten!

AUSWIRKUNGEN AUF AUSGEWÄHLTE PFLANZENARTEN (heute → 2100)

Nachfolgend werden 6 Exoten-„Klassiker“ und die Auswirkungen des Klimawandels auf deren Kultivierung betrachtet:

Pflanzenart:
Δ KlimaGap je Stadt (heute → 2100)
Δ KlimaFit je Stadt (heute → 2100)

 
Was den Kultivierungsaufwand betrifft, ist der Olea europaea – insbesondere im Süden und Osten – klarer Gewinner des Klimawandels. Hier führen die zukünftig milderen Winter zu einer deutlichen Entlastung.
Für besonders „durstige“ Pflanzen führt der Klimawandel dagegen zu spürbaren Aufwandserhöhungen. Die Gunnera manicata ist schon heute extrem aufwändig. Und auch die Musa basjoo wird mit dem Klimawandel im Sommer signifikant pflegeintensiver. Selbst bei der Poncirus trifoliata machen sich die rückläufigen Niederschläge negativ bemerkbar.
Bei der Trachycarpus fortunei bleibt die Kultivierung vielerorts aufwändig. Mit dem steigenden Bewässerungsbedarf ist die Hanfpalme zukünftig aber auch im Norden und Westen kein Selbstläufer mehr.

Gut frostharte Trockenheitskünstler sind i.d.R. Gewinner des Klimawandels, während die besonders durstigen Exoten deutliche Klima-Verlierer sind!

FAZIT

Die Klimaänderungen führen einerseits zu einer deutlichen Reduzierung des winterlichen Frostschutzes, andererseits auch zu einer starken Erhöhung der sommerlichen Bewässerung. Der Kultivierungsaufwand verändert sich je nach Region und Pflanzenart sehr unterschiedlich.
Der Klimawandel führt vielerorts – entgegen landläufiger Meinung – zu einem leichten Rückgang potentieller Neophyten. Die Trockenheitskünstler als vermeintliche Neophyt-Kandidaten kommen zwar mit den trockeneren Sommern gut zurecht und profitieren von den milderen Wintern, bekommen aber aufgrund ihrer Nässeempfindlichkeit zunehmend mit den feuchteren Wintern ein Problem. Chancen steigen vor allem dort, wo es auch künftig im Winter noch vergleichsweise trocken bleibt…