Indianerbanane: Steckbrief Asimina triloba

‚America’s Forgotten Fruit‘ – die Indianerbanane – ist ein idealer Freiland-Exot in unseren Breitengraden: extrem resistent gegen Frost, Schädlinge und Krankheiten, pflegeleicht, exotischer Fruchtgeschmack und als Ziergehölz sehr attraktiv.

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Systematik

Die Asimina triloba (dreilappige Papau bzw. Indianerbanane) gehört der Gattung der Papau (Asimina) in der Familie der Annonengewächse (Annonaceae) an. Es existieren etwa 70 Sorten.

Herkunft / Verbreitung

Die Indianerbanane ist in den südlichen Teilen Kanadas und den östlichen Teilen der USA heheimatet, stammt also aus der gemäßigten Zone. Hier wächst sie oftmals in Auen, also von Überschwemmungen und hohem Grundwasserpegel beeinflussten Biotopen an Flüssen und Bächen, meist im Schatten grösserer Bäume im Unterholz.

Eigenschaften

Wachstum

Indianerbananen erreichen in unseren Breitengraden Wuchshöhen bis 5m, in ihrer Heimat z.T. auch über 10m. Sie wachsen aufrecht als pyramidenförmige Bäume oder Sträucher, aber relativ langsam. Veredelte Pflanzen wachsen besonders langsam. 5-jährige Pflanzen haben ca. eine Höhe von 1.5 bis 2.5m, 10-jährige ca. 3 bis 3.5m. Indianerbananen wachsen je Vegetationsphase nur für eine kurze Zeit (2-3 Monate).

Frosthärte

Frosthärte-Informationen zur Indianerbanane finden sich hier.

Habitus

Rhizom / Wurzelsystem / Meristem

Indianerbananen entwickeln eine kräftige Pfahlwurzel. Es können sich vereinzelt Wurzelausläufer bilden.

Stamm

Indianerbananen bilden einen Stamm von 3 bis 5m.

Blätter

Die Blätter können über 30cm lang werden. Sie sind oval zugespitzt, dunkelgrün und leicht hängend. Der Laubaustrieb erfolgt ca. Mitte / Ende Mai. Im Herbst färbt sich das Laub leuchtend goldgelb und signalisiert damit den Beginn der Fruchtreife. Im Winter verliert die Indianerbanane ihre Blätter.

Blüten

Indianerbanane blühen erstmals in einem Alter von etwa 4-8 Jahren. Zwischen Mitte April und Mitte Mai, also vor dem Laubaustrieb, werden je Blattachsel 1-4 glockenförmige, 2-4cm grosse, purpurrote Blüten am 1-jährigen Holz gebildet. Die Blüten sind recht empfindlich gegen Spätfröste.

Jede Blüte enthält mehrere Fruchtknoten, aus denen sich – ähnlich wie bei echten Bananen – ein dichtes Bündel von 2-7 Früchten entwickeln kann (daher auch die Bezeichnung ‚Indianerbanane‘).

In einer neuen Blüte ist zunächst der weibliche Stempel reif, während die Staubfäden der männlichen Pollen erst verspätet reifen (‚Vorweiblichkeit‘). Weibliche Blüten erkennt man an dem glatten Stempel und den grünlich-roten Blättern. Männliche Blüten haben einen mit Pollen besetzten Stempel mit dunkelbraunen Blättern.

Eine natürliche Bestäubung durch Wind funktioniert i.d.R. nicht, da die Blütenköpfe der Indianerbanane nach unten hängen. Indianerbananen werden daher durch Insekten bestäubt. Da die Blüten keinen Nektar produzieren, ziehen die Blüten keine Hummeln und Bienen an. Stattdessen locken sie mit ihrer braunen Blütenfarbe und dem Aasgeruch Schmeiss- + Fruchtfliegen, Käfer + Pollenräuber an. Leider mangelt es in unseren ’sterilen‘ Gärten oftmals an Aasfliegen. Außerdem gibt es bei uns bislang nur sehr wenige ausgepflanzte Indianerbananen. Von daher fehlt es oftmals an Befruchtungspartnern. Aus diesem Grund sollte man eine 2. Indianerbanane – und zwar eine andere Sorte! – pflanzen.

I.ü.: auch am Naturstandort fruchtet die Indianerbanane nur bedingt verlässlich, weshalb sich die Indianerbanane dort vorzugsweise vegetativ über Wurzelausläufer vermehrt (und seltener generativ über Fruchtsamen).

Für eine sichere Befruchtung empfiehlt sich die mehrmalige, manuelle Bestäubung mit Pinsel. Wenn die Blütenblätter und die kleinen Pollenkugeln braun werden und gelber Pollen am Pinsel haftet, ist er reif und kann auf weibliche Blüten verteilt werden. Alternativ bietet es sich an, ein kleines Kistchen (z.B. eine Streichholzkiste) unter die braunen, männlichen Blüten zu halten und mit dem Finger leicht an der Blüte zu klopfen. Wenn die Blüte reif ist, fällt kleiner, gelber Blütenstaub in das Kistchen, welcher dann per Pinsel auf die grünlich-roten, weiblichen Blüten verteilt werden kann.

Es gibt bis dato 2 selbstfruchtende Sorten: die ‚Prima 1216‘ und die ‚Sunflower‘. Die Sorte ‚Prima 1216‘ gilt hierbei als eine bereits in sehr jungen Jahren blühende Sorte. Bei selbstfruchtenden Sorten erfolgt die Befruchtung, indem ältere (=männliche) Blüten jüngere (=weibliche) Blüten befruchten. Hierbei erhöht das Pflanzen einer 2. Pflanze die Anzahl befruchteter Blüten. Im Regelfall führt die Selbst-Befruchtung aber auch zu einem guten Ernteertrag.

In dem Zusammenhang: richtigerweise gibt es weder voll selbststerile noch voll selbstfertile Sorte. Vielmehr sind alle Sorten selbstfruchtend, die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger. Die 2 als selbstfertil eingestuften Sorten sind daher einfach besser selbstfruchtend als die restlichen Sorten. Und auch bei den selbststerilen Sorten ist eine Selbstbefruchtung nicht ausgeschlossen.

Früchte

Blüht eine Indianerbanane, kann es trotzdem noch Jahre dauern, bis man erste, reife Früchte ernten kann. Zwar setzen Indianerbananen auch bei unbefruchteten Blüten relativ verläßlich Früchte an. Diese Fruchtansätze werden jedoch von der Pflanze frühzeitig wieder abgeworfen. Darüber hinaus werden Fruchtansätze abgeworfen, wenn die Indianerbanane noch recht jung ist und ihre Früchte entsprechend noch nicht ausreichend ernähren kann. Erste reife Früchte sind frühestens nach 5 Jahren zu erwarten, was etwa einer 1.5m großen Pflanze entspricht.

Erste Fruchtansätze werden etwa Anfang / Mitte Mai gebildet. Die grünlichen, zunächst harten Früchte werden mit zunehmender Reife heller. Die Erntezeit bewegt sich je nach Sommer + Sorte zwischen Mitte September und Ende Oktober. Die Sorte ‚PA Golden‘ reift meist sehr früh, dann kommen Sorten wie ‚Tay Two‘ + ‚Overleese‘ und etwas später ‚Sunflower‘ + ‚Prima 1216‘. Bei späten Sorten besteht die Gefahr, dass die Früchte in wenig sonnenreichen Gegenden oder Saisons nicht mehr ausreifen.

Ernten sollte man die Früchte, sobald sie sich weich anfühlen (Drucktest), wenn die Haut gelblich-grün wird, erste schwarze Flecken bekommt, wenn die Früchte einen intensiven, süsslichen Duft verbreiten (ab etwa 1 Woche vor Reife) und quasi von selbst abfallen. Spaßeshalber sagt man: die leckersten Früchte erhält man, wenn man sie beim Abfallen fängt. Bei reifen Früchte lässt sich die Schale gut ablösen. Das Fruchtfleisch ist im reifen Zustand cremig-weich + kräftig-gelb wie bei einer Mango.

Erntet man die Früchte zu früh, reifen sie i.d.R. nicht mehr aus, da die Früchte zu den nicht-klimakterischen Früchten gehören. Wer beim Abfallen der reifen Früchte Dellen an den weichen Früchten vermeiden möchte, sollte eine weiche Unterlage oder ein Gemüsenetz verwenden.

Je Indianerbaum ist ein Ertrag von 10-20kg möglich. Veredelte Pflanzen produzieren ca. 20% mehr Früchte als Sämlinge. Früchte werden ausgereift etwa 5-10cm lang mit einem Durchmesser von 3-5cm und einem Gewicht von 50-300g. Die Fruchtgrösse kann stark variieren. Die Sorten ‚Tay two‘ und ‚NC-1‘ produzieren besonders große Früchte. Das Fruchtfleisch ist mit bis zu 10 dicken, bohnenartigen, braun-schwarzen ca. 2cm langen Kernen (=Samen) durchsetzt. Die äußere Form der Früchte erinnert an Papayas. Daher stammt auch der Name ‚Pawpaw‘.

Reife Früchte sind nicht lange haltbar. Eine reife Frucht kann 2-3 Tage bei Zimmertemperatur und bis zu 1 Woche im Kühlschrank gelagert werden. Halbreif können Früchte im Kühlschrank etwa 4 Wochen gelagert werden. Die kurze Haltbarkeit und das oftmals etwas lädierte Äußere der Früchte (Dellen, Druckstellen) sind wesentliche Gründe, warum es die Früchte bislang nicht in unsere Supermärkte geschafft haben und Andrew Moore daher von ‚America’s forgotten fruit‘ spricht.

Die Früchte der verschiedenen Indianerbananen-Sorten schmecken z.T. sehr unterschiedlich. Das Fruchtfleisch geht je nach Sorte von dunkel-gelb bis weiss. Je gelber das Fruchtfleisch, umso intensiver der Geschmack. Die Früchte schmecken nach Banane, Mango und Vanille und haben ggü. sonstigen Früchten einen hohen Nährwert (etwa 80kcal pro 100g) mit viel Vitamin C und hohem Phosphor-, Magnesium- + Eisen-Gehalt.

Die Früchte können roh verzehrt werden. Zum Roh-Verzehr halbiert man die Früchte und löffelt sie – ähnlich einer Kiwi – mit einem kleinen Löffel aus. Die Kerne und die Haut werden nicht mitgegessen. Beim Verzehr sollte man noch hartes Fruchtfleisch meiden, da es zu Brechreiz und Durchfall führen kann.

Die Früchte lassen sich auch verarbeiten, z.B. als Marmelade, Kuchen oder auch Obstbrand.


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