Chinesische Hanfpalme: Gefahren im Winter Trachycarpus Fortunei

Trachycarpus Fortunei gelten als die best-geeignete Palmenart für unsere Gegenden. Auch, wenn man immer wieder anderes liest: die Hanfpalme ist in Deutschland, insbesondere in den rauen Gegenden im Süden und Südosten, nur bedingt winterhart. Worauf man im Winter bei Hanfpalmen besonders achten sollte…

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Am allerwichtigsten ist der Wurzelschutz. Dauerhafte Bodentemperaturen unter 0°C können bereits zu ersten Mangelerscheinungen führen. Am stärksten gefährdet sind junge + frisch ausgepflanzte Hanfpalmen, da bei ihnen das Wurzelwerk noch nicht tief genug vorgedrungen ist, um sich bei Bodenfrost verläßlich aus den tieferen Bodenregionen versorgen zu können.

Immer wieder liest man von der Herz- bzw. Speerfäule als Folge von Feuchtigkeitseintritt in Wachstumsöffnung + Herz im Winter. Ich bin der Überzeugung, dass Herz- bzw. Speerfäule nicht das Ergebnis eines Feuchtigkeitseintritts von ‚oben‘ über die Wachstumsöffnung ins Herz ist. Vielmehr ist die Ursache in einer Unterversorgung des Herzens zu suchen. Die Unterversorgung entsteht, wenn der Boden durch Dauerfrost tief gefroren ist, so dass die Wurzeln + Leitbahnen nur noch stark eingeschränkt funktionieren oder gar in Teilen dauerhaft zerstört sind. Bei Unterversorgung bildet das Herz unvollkommenes Gewebe, welches dann im Stamm wieder abstirbt und fault (‚Speerfäule‘). Wird das faule Gewebe dann per Wachstum nach oben Richtung Wachstumsöffnung geschoben, kommt es durch Luftkontakt zur Schimmelbildung. Hält die Unterversorgung weiter an, stirbt das Herz und fault in gleicher Weise (‚Herzfäule‘). Das bedeutet das Ende der Palme.

Gemäß Professor Walter Larcher vertragen die einzelnen Pflanzteile einer Trachycarpus Fortunei in etwa folgende Tiefsttemperaturen:

Pflanzteil: initialer Schaden ab: Absterben durchschn. bei:
alter Fächer -11,0 °C -13,0 °C
junger Fächer -10,5 °C -12,5 °C
geschlossener Fächer (Speer) -11,5 °C -14,0 °C
Blattstiel (Stilende) -10,0 °C -15,0 °C
Blattbasis (Stilanfang) -8,5 °C -10,0 °C
Herz (Meristem) -11,5 °C -15,0 °C
Leitbündel (Versorgungsleitungen des Herzens) -6,0 °C -8,0 °C
Wurzeln (Rhizom) -6,5 °C -8,0 °C

Wenn man in Betracht zieht, dass das Meristem und die Leitbündel durch den Stamm und das Rhizom durch das Erdreich einen gewissen Kältesschutz erfahren, so ist die vielfach in der Literatur zu findende Frosthärte von -17°C als reine Überlebensgrenze für etablierte Trachycarpus Fortunei sicher nicht ganz falsch. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man Hanfpalmen dauerhaft nicht Temperaturen unter -10°C aussetzen.

Im Prinzip lassen sich die Gefahren in unseren Wintern daher auf folgende Punkte reduzieren:

Ursache Gefahr Lösung
1. Bodentemperatur dauerhaft kleiner 0°C je nach Frosteindringtiefe sind mehr oder weniger Wurzeln gefroren, was zu einer Unterversorgung des Herzens führen kann; in Folge stirbt und fault zunächst neugebildetes Gewebe (‚Speerfäule‘) und im Extremfall dann das Herz (‚Herzfäule‘); mit einsetzendem Wachstum im Frühjahr werden faule Stellen nach oben zur Wachstumsöffnung geschoben und schimmeln aufgrund Luftzufuhr Wurzelbereich bei Minusgraden schützen (mulchen, beheizen); Palme im Winter eher dunkel und kühl halten (um kein Wachstum anzuregen), Wedel mit Vlies einpacken (um Feuchtigkeitsabgabe über Blätter zu vermeiden) und bei Frostfreiheit gelegentlich giessen
2. Bodentemperatur kleiner -6.5°C je nach Frosteindringtiefe werden mehr und mehr Wurzeln dauerhaft geschädigt bzw. sterben ab; neben unter 1. genannten Gefahren wird die Regeneration der Palme mehrere Monate dauern siehe unter 1.
3. Lufttemperatur kleiner -12°C Blattschäden (da Palmenzellen gemäß Larcher persistent unterkühlbar sind, nehmen Blätter oberhalb -12°C auch bei dauerhaftem Frost keinen Schaden; es spielt auch keine Rolle, wie oft Blätter im Winter frieren und wieder auftauen oder wie schnell die Temperaturen sinken) Palmwedel dick einpacken und beheizen
4. Lufttemperatur dauerhaft kleiner -17 °C kompletter Blattverlust, Herz stirbt Palme dick einpacken und beheizen
5. Staunässe im Wurzelbereich Wurzeln faulen (‚Wurzelfäule‘) und sterben ab; Palme ist unterversorgt / vertrocknet Drainage unterhalb Wurzelballen (beim Einpflanzen); im Winter nur schwach und nur bei echtem Bedarf (Sonne, warme Tage im Winter) gießen
6. fehlende Belüftung Palme schimmelt; Pilzbefall Winterschutz nur in Extremstsituationen geschlossen halten

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